The Modern Jazz Live Collection. Design: Uli FuchsDuke Lives - Foto Uli FuchsBandera cubanaNiñas en NYC, Foto Uli Fuchs

Diese Website soll eine Hilfe für alle Jazzliebhaber bei Kauf und Auswahl ihrer Schallplatten sein. Nie zuvor gab es ein so grosses Angebot an Jazzschallplatten wie heute, und ich habe so oft in Plattenläden Leute gesehen, die hilflos vor dem Angebot von Jazz-CD's standen, und nicht wussten: wo beginnen, wo suchen, was suchen, wie sich entscheiden. Es soll eine lebendige Website sein, d.h. sie beginnt vielleicht mit 50 Beispielen. Im Laufe der, Zeit werden's dann mehr als 100 Einspielungen sein die hier vorgestellt werden (und wechseln können).

Da Jazz lebendige, improvisierte Musik ist, findet er seine stärkste und intensivste Ausdruckskraft oft in Liveaufnahmen. In der speziellen Atmosphäre der Clubs, voller Zigarettenrauch, dem Lachen im Publikum, dem Klirren von Gläsern und Telefongeräuschen im Hintergrund, gewinnen manche Aufnahmen ihre stärkste Ausdruckskraft. So gibt es viele Einspielungen, die diese Nähe zwischen Musikern und ihrem Publikum widerspiegeln und die Aufnahme in reines Gefühl und in ein Zeugnis ihrer Epoche verwandeln. Aufnahmen von Festivals, Open-air-Konzerten und schliesslich Auftritte in Konzerthallen und Theatern haben ebenso ihren Anteil an der Magie des Jazz. Davon handelt diese Seite. Im Gegensatz zur vorgefassten Meinung vieler, die den Jazz kaum kennen: Jazz ist nicht Musik für Eingeweihte, noch weniger für spezielle Kenner - man muss ihn nur fühlen wie den Blues. Wenn Du Billie Holiday oder Ella, Trane's Sax, Eric Dolphy oder Oscar Peterson hörst, gibt's nichts spezielles zu verstehen aber viel zu fühlen - die Musik wird dein Herz erreichen. Wenn das passiert, brauchst du weiter nichts zu wissen - der Jazz hat dich für immer gewonnen.

 

EIne ganze Reihe von Freunden sind an der Entstehung dieser Seite beteiligt, wir überprüfen unsere Sammlungen, geben uns Tipps, was wichtig sein könnte. Vor allen Dingen möchten wir Euch Auskunft geben über das, was im Panorama des Jazz heute stattfindet. Von dieser Seite aus wollen wir Euch Musiker und Entwicklungen vorstellen, die man unserer Meinung nach kennen und hören sollte. Wie's nicht anders sein kann, hängt alles, was ich hier vorstelle, von unseren persönlichen Vorlieben und Geschmack ab und ist deshalb absolut subjektiv - wie sollte es auch anders sein.

 

Um eine Musik- oder Plattensammlung gleich welcher Musikrichtung aufzubauen gibt's viele Wege: Man kann mit Stilen beginnen, mit Epochen, Komponisten, Musikern, Orchestern, Sängerinnen und Sängern oder Instrumenten, viele Wege führen nach Rom. So scheint mir zum Beispiel interessant, dass es ausserhalb der reinen Stilentwicklungen immer Tendenzen und Moden gibt - wie in allen Künsten - und wir sind selbstverständlich nicht frei davon. So sind im Jazz die fünfziger Jahre ganz eindeutig vom Klavier und der Trompete dominiert, folgt ab Ende der Fünfziger Jahre mit unglaublicher Dominanz das Tenorsax. Wer ist der bessere Saxofonist: Benny Golson oder Sonny Rollins? Und seit dem Auftritt Coltranes kann die Frage so (wenn sie überhaupt jemals sinnvoll war) schon überhaupt nicht mehr gestellt werden. Mit dem Einfluss anderer Musikrichtungen ab Ende der Sechziger (vor allem dem Rock) gewinnen die Schlagzeuger gewaltig an Bedeutung: Tony Williams, Billy Cobham, Elvin Jones sind Namen, die jeder kennt. Dazu kommen das E-piano und all die vom Instumentenbau neu entwickelten Keyboards, aber das Tenorsaxophon bleibt das dominierende Instrument.

Im Jazz unserer Tage können wir beobachten (oder noch besser: hören), wie mit unglaublicher Kraft das Altsaxophon fröhliche Urständ feiert, ein Instrument, das freilich nie ganz vergessen war, nicht von all den Musikern, für die Charlie Parker eine unerschöpfliche Quelle des Musikverständnisses überhaupt war, und das waren und sind nicht nur die "woodwinds" (Saxofone, Klarinetten, Flöten), sondern letzlich alle modernen Jazzmusiker. Seit Art Blakey Bobby Watson vorstellte, haben sich neben den neuen Tenorsaxofonisten (Marsalis, Redman) eine ganze Reihe vorzüglicher Altsaxofonisten etabliert, wie Arthur Blythe oder der Multireedman Ken Vandermark. Die neuen Musiker orientieren sich wieder am Free-Jazz, dem durch die Fusionsbewegungen der Siebziger die Publikumsgunst ziemlich entsagt war. Zu einer ganzen Reihe von Trompetern, deren Qualität ausserhalb jeden Zweifels steht, gesellen sich Instrumente, die seit dem Cool und demFreejazz ein wenig aus der Mode kamen: wie Tuba und vor allem die Hammond B-3 Orgel. Kurzum: der Jazz unserer Tage erfreut sich bester Gesundheit und wir uns an ihm.

Selbstverständlich ist die Einteilung nach Jahrzehnten nur ein Hilfsmittel, um ein wenig Ordnung in die Website zu bringen. Musik entwickelt sich nicht nach Kalenderdaten, noch weniger nach weissen oder schwarzen Musikern. Ab 2000 stelle ich Euch vor, was nach meiner Kenntnis im Jazz unserer Tage interessant zu sein scheint. - Und dann noch tausend Entschuldigungen an all die Musiker, die hier nicht vorkommen, wie Mangelsdorff, Humair, Portal, Loussier, Tete Montoliu und viele andere mehr, die es Wert wären.

Die Seite über Kubanischen Jazz ist bis zu ihrer Fertigstellung noch auf Spanisch.

 

Uli Fuchs, Palma de Mallorca, August 2006

The Modern Jazz Live Collection - Einführung

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